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Mai 2013


  • Deplaziert - Beschämend - Verbohrt














25. Mai 2013 proM.U.T. e.V.
Der Deutsche Bauernverband feiert "neue moderne" Mastställe als "Investition in das Wohlbefinden der Tiere" und beschwert sich über "emotional argumentierende Bürgerinitiativen". Dazu ein völlig emotionsloser Kommentar. (PDF hier)

Deplatziert – Beschämend - Verbohrt
Ist der Deutscher Bauernverband (DBV) mit seinen Argumenten am Ende?

In einer Pressemitteilung vom 10.5.2013 fordert der Deutsche Bauernverband (DBV) die Bundes- und Landesregierungen auf, seine überholte Politik des „Wachse oder Weiche!“ den Bauernfamilien zu vermitteln indem sie ihnen Mut machen, in Nutztierhaltung zu investieren. Die Bauern benötigten „Rückenstärkung“, so der DBV, dem es offenbar selbst immer weniger gelingt die Mehrheit der Landwirte von seiner nicht zukunftsfähigen Politik zu überzeugen.

Die noch auf ihren eigenen Höfen wirtschaftenden Landwirte, die ich kenne, brauchen keine fadenscheinige „Rückenstärkung“ und niemanden der ihnen Mut zuspricht. Das sind gestandene Typen, die für sich selbst wissen, was für sie gut ist, was sie wollen und die für sich selbst sprechen können und dies auch tun.

Die agrarindustrielle Ausrichtung der DBV Spitzenfunktionäre entspricht längst nicht mehr den Interessen der mittelständischen landwirtschaftlichen Betriebe sondern bedient die auf Konzentration von Landwirtschaft in Großbetrieben ausgerichteten Interessen der Agrarindustrie. Als typischer Funktionär verdient der Präsident des Landvolkes Niedersachsen, Werner Hilse, mit seinen diversen Aufsichtsratposten in der Agrarindustrie mehr Geld als mit seinem 300 (!!) Hektar-Hof einschließlich Viehhaltung (2000 Schweine) und 65.000 € Subventionen. (Verpflechtungen der DBV Funktionäre mit der Agrarindustrie; Studie zu Landgrabbing in Deutschland)

Den ca. 200 Bürgerinitiativen und Verbänden im Netzwerks Bauernhöfe statt Agrarfabriken die Vernichtung von 2500 Arbeitsplätzen vorzuwerfen ist Deplatziert-Beschämend-Verdreht.

Die Wahrnehmung von Bürgerrechten wird vom Bauernverband auf den Begriff „Verhinderungsideologie“ reduziert. Mit der Verbreitung solcher Positionen setzen die Kapitäne des Bauernverbandschiffs ihren Weg ins gesellschaftliche Abseits mit voller Fahrt fort.

Ein Blick auf die Entwicklung der Arbeitsplatzzahlen in der Landwirtschaft und das über Jahrzehnte fortgesetzte Höfesterben geben Auskunft in welchem Ausmaß und unter wessen tatkräftiger Beteiligung Bauernhöfe und Arbeitsplätze in der Landwirtschaft vernichtet wurden und werden.
Während sich das Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken vehement für den Erhalt der Boden gebundenen Landwirtschaft einsetzt ist das Ergebnis der DBV - Politik die Aufgabe von 6.000 bis 8.000 landwirtschaftlichen Betrieben pro Jahr (im Zeitraum von 2007 bis 2010 rund 2,2 Prozent der Betriebe pro Jahr). Während es 1993 noch fast 600.000 landwirtschaftliche Betriebe gab, hat sich diese Zahl bis heute auf ca. 300.000 halbiert.
Tendenz: Fortsetzung folgt („Wachse oder Weiche!“).

Die Bestrebungen des Netzwerks Bauernhöfe statt Agrarfabriken die Massentierhaltung in überdimensionierten Mastanlagen in Frage zu Stellen geschieht in den jeweiligen gesetzlich vorgeschriebenen Genehmigungsverfahren. Bürgerinitiativen nehmen hier ihre Rechte ebenso wahr wie Investoren mit ihrer Antragstellung. Dies als „Verhinderungsideologie“ zu bezeichnen trifft nicht im geringsten den Kern der Sache. Wenn Mastanlagen die Genehmigung durch die Zulassungsbehörden versagt werden, dann stehen dem Vorhaben gravierende Gründe entgegen.
Den Bürgerinitiativen mit dem Begriff der „Verhinderungsideologie“ die Verantwortung für eine Ablehnung von Mastanlagen zuzuschreiben ist aus der Luft gegriffen. Wenn im Laufe von Genehmigungsverfahren Umstände bekannt werden, die dem angestrebten Maststallbau entgegenstehen, dann häufig, weil sich zum Teil bereits bei der Planung der Bauvorhaben über offensichtliche Ausschlusskriterien eines Standortes hinweggesetzt wurde und/oder Gutachten mangelhaft oder unvollständig sind – insofern also bauwillige Investoren unvollständig beraten werden.
Der Sinn öffentlicher Genehmigungsverfahren ist es unter anderem die Interessen der Bürger und Antragsteller abzuwägen. Solange die Auseinandersetzung auf Grundlage der gesetzlichen Vorschriften stattfindet ist die Wahrnehmung von Rechten für alle Beteiligen völlig legitim. Diffamierungen haben hier keinen Platz, auch bei noch so unterschiedlicher Grundüberzeugung.

Völlig abstrus ist die Aussage des DBV durch nicht gebaute, also verhinderte, „moderne“ Mastställe würde „dem Tierwohl und dem Tierschutz geschadet“.
Dilettantisch-Billig-Verdreht versucht man sich als Anwalt für das Wohlergehen der Tiere aufzuspielen. Verkehrte Welt!

Wahrer Tierschutz beginnt an dem Punkt, wo Qualzüchtung und Massentierhaltung abgeschafft wird, wo kompromissweise „Nutz“tierhaltung auf ein Maß reduziert wird, das sich ethisch, moralisch mit  „der Größe und dem moralischen Fortschritt“ der Mehrheit der Gesamtgesellschaft in Einklang befindet (einmal abgesehen von den Grenzen, die die Natur unserem Handel auferlegt).
Den Neubau von Mastanlagen als „Investition in das Wohlergehen von Tieren“ zu feiern entspricht dem mäßigen Niveau mit dem die Fleischindustrie auf immer neuen Internetseiten Stimmung für noch mehr Tierhaltung und Fleischkonsum in Deutschland macht.

Bevor Bürgerinitiativen aktiv wurden waren Genehmigungen von Mastanlagen oft Selbstläufer. Ohne Bürgerinitiativen würden weiter Mastställe ohne die gesetzlich vorgeschriebene Rettungsmöglichkeit von Tieren im Brandfall gebaut werden, würde der Missbrauch von Medikamenten (speziell Antibiotika, MRSA) in den Mastställen weiter totgeschwiegen, würde weiterhin nicht über (mindestens) Verbesserungen für geschundene „Nutz“tiere nachgedacht (Kastration, Schnäbelabschneiden … ohne Betäubung), würden nach wie vor zu viele Verbraucher den beschönigenden und irreführenden Markennamen der Ernährungskonzerne vertrauen, würde es keine Gesetzesinitiativen wie die Änderung des §35 des Baugesetzbuches geben, hätte der ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Lindemann niemals seinen (noch verbesserungsfähigen) Tierschutzplan angeschoben, …

Viele Dinge wurden maßgeblich von Bürgerinitiativen (zusammen mit Vereinen, Verbänden) vorangetrieben. Es ist allerdings weiterhin viel Beharrlichkeit, ein langer Atem, viel Engagement und Dialogbereitschaft notwendig. Der beschrittene Weg ist vielversprechend.

Zum Schluss noch ein Wort zu den, wie der DBV meint, „emotional argumentierenden Bürgerinitiativen“.

Es wäre ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, wenn die Art und Weise wie sie mit ihren Mitgeschöpfen, mit ihren Tieren und „Nutz“tieren umgehen will, ohne Emotionen diskutiert würde. Tiere sind kein Stück Blech, und werden doch vom Menschen so „hingebogen“, dass sie in eine industrielle Massenproduktionsschablone passen.
Wie kann solch ein Thema emotionslos diskutiert werden?
Dennoch bemühen sich gerade Bürgerinitiativen um sachliche und fundierte Argumentation und haben dies bei vielen Erörterungsterminen zu Mastställen und anderen Gelegenheiten unter Beweis gestellt.

Wer aber fordert, diese Themen völlig emotionslos zu diskutieren, der verlangt zu viel.






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