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pro M.U.T.   Nachrichten Archiv  Dezember 2010

 






31.12.2010

Botaniker präsentieren Liste aller bekannten Pflanzen

Wissenschaftler haben erstmals alle bekannten Pflanzen einheitlich zusammengefasst. Besonders Landwirte und Medikamentenhersteller dürfte die Liste mit ihren rund 1,25 Millionen Einträgen interessieren.

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BfR 18/2010, 13.12.2010

Antibiotikaresistenzen in der Lebensmittelkette

BfR veröffentlicht zwei Berichte zur Resistenz-Situation bei verschiedenen Bakteriengruppen

Die Nationalen Referenzlabore für Salmonellen und für Antibiotikaresistenz am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben in den Jahren 2000 bis 2008 Salmonella-Isolate aus diagnostischen Einsendungen auf Antibiotikaresistenz getestet und nach epidemiologischen Kriterien bewertet. Die Isolate stammten vor allem von Tieren und aus Lebensmitteln, aber auch aus Futtermitteln und aus der Umwelt. Von den 33.625 Isolaten waren 48 Prozent resistent gegen mindestens eine und 35 Prozent sogar resistent gegen mehr als eine Antibiotikaklasse. Bei den Isolaten von Nutztieren und aus Lebensmitteln lagen die Resistenzraten dabei wesentlich höher. Eine zweite, nunmehr repräsentative, Untersuchung aus dem Jahr 2009 bestätigt die Ergebnisse für Salmonellen und kommt zu ähnlichen Ergebnissen auch für Escherichia coli und Campylobacter. „Resistenzen bei Krankheitserregern in Tieren und auf Lebensmitteln sind ein gravierendes Problem im gesundheitlichen Verbraucherschutz“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Infektionen mit resistenten Erregern können beim Menschen den Verlauf von Erkrankungen verlängern und erschweren. Sie können Krankenhausaufenthalte erforderlich machen und in bestimmten Fällen auch lebensbedrohlich werden.

Salmonellen gehören zu den häufigsten Auslösern von Lebensmittelinfektionen beim Menschen. Die sogenannte Salmonellose äußert sich meist in Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen. Gesunde Menschen überstehen dies in der Regel innerhalb einiger Tage, doch bei Abwehr geschwächten Patienten, Älteren und Kindern kann die Infektion auch einen schweren Verlauf nehmen. Dann kann eine Behandlung mit Antibiotika notwendig werden.

Das Ausmaß der Resistenzen gegen Antibiotika hat das BfR anhand der EU-weit gültigen epidemiologischen Kriterien bewertet. Diese erlauben, frühzeitig Abweichungen von einer unbelasteten Bakterienpopulation, der sogenannten Wildtyppopulation, zu erkennen und treffen keine Aussagen zur Therapierbarkeit einer Infektion. Laut der Bewertung zeigen Salmonella-Isolate von Tieren und aus Lebensmitteln       <mehr>

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Wir erzeugen Fleisch

Als hätte die Fleischindustrie noch nicht ausreichend viele Verbände und Lobbygruppen, haben sich jetzt der Bauernverband, der Verband der Fleischwirtschaft und ein Dutzend weitere Verbände zusammengeschlossen, um den »WIR erzeugen Fleisch e.V.« zu gründen, der seine Aufgabe darin sieht, die »Kommunikation mit Verbrauchern und Medien [zu] forcieren«.

Die  Albert Schweitzer Stiftung   für unsere Mitwelt hat sich mit diesem Verband kritisch auseinandergesetzt.

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Grotelüschen geht Lindemann kommt  

Zum Kennenlernen des neuen niedersächsischen Landwirtschaftsministers einige aktuelle Beiträge:

Gert Lindemann im Interview
Gert Lindemann - Porträt
Die Grünen zu Gert Lindemann
Die SPD zu Gert Lindemann
Die Linke zu Gert Lindemann
Die FDP zu Gert Lindemann
Die CDU zu Gert Lindemann

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Region bestätigt neuen Standard auch für laufende Genehmigungsverfahren

Wie die Region Hannover schriftlich gegenüber proM.U.T. mitteilt werden die neuen, kürzlich angekündigten, Brandschutzstandards nicht nur Anwendung auf neu beantragte Bauvorhaben finden,  sondern auch auf alle bereits im Genehmigungsverfahren befindlichen Massentierhaltungen.
Zitat aus dem Schreiben der Regio vom 14.12.2010: "Die neuen Forderungen werden in allen noch laufenden Verfahren zur Errichtung von Großstallungen (worunter alle Stallanlagen, die in einem Verfahren gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz genehmigt werden, fallen) zur Anwendung kommen."

Auf bestehende und genehmigte Ställe hingegen sollen die neuen Standards wegen des Bestands- und Vertrauensschutzes keine Anwendung finden.Von diesem Grundsatz könne nur in Ausnahmefällen abgewichen werden  und dann in aller Regel nur unter der Voraussetzung von Entschädigungsleistungen.

Eine Aussetzung laufender Verfahren kommt für die Region nicht in Betracht. Allerdings soll es Voraussetzung für die zügige und planmäßige Fortführung des Verfahrens sein, dass (Zitat)  "die Antragsteller ihre Planungen zügig an die jetzt erhobenen zusätzlichen Anforderungen, mit denen sie bisher nicht rechnen mussten, anpassen".

Weiterhin sieht die Region Hannover die "unzureichenden planerischen Möglichkeiten für große Tierhaltungsanlagen" mit Sorge. Das Grundproblem liege hier in der Privilegierung nach §35 des Baugesetzbuches, "die einer lenkenden Einflussnahme weitgehend den Boden entzieht".
"Die Region Hannover unterstützt politische Bestrebungen, über die kommunalen Spitzenverbände der Landesregierung vorzuschlagen, Änderungen in § 35 BauGB zu erwirken mit dem Ziel, den planerischen Handlungsspielraum der Kommunen zur räumlichen Steuerung großer Tierhaltungsanlagen zu erhöhen."

Weitere Informationen hierzu.

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Putenmastanlagen in Pattensen ?

Podiumsdiskussion, 3. Dezember 2010 - 19.00 Uhr - Ratskeller Pattensen - Marktplatz 1



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Saarländische Online Zeitung, 20.12.2010
Erhaltung landwirtschaftlicher Vielfalt
droht in den Mühlen der Bürokratie zu ersticken
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aerzteblatt.de, 13.12.2010

Viele Bakterien in der Nahrungskette gegen Antibiotika resistent

Berlin – Knapp die Hälfte der Salmonella-Isolate aus diagnostischen Einsendungen an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind resistent gegen eine Antibiotikaklasse, 35 Prozent gegen mehr als eine Antibiotikaklasse. Die Isolate stammten vor allem von Tieren und aus Lebensmitteln, aber auch aus Futtermitteln und aus der Umwelt.

Diese Ergebnisse der Nationalen Referenzlabore für Salmonellen und für Antibiotikaresistenz berichtete das BfR am Montag. Bei den Isolaten von Nutztieren und aus Lebensmitteln lagen die Resistenzraten dabei wesentlich höher.

Eine zweite Studie des BfR bestätigte die Ergebnisse für Salmonellen und kommt zu ähnlichen Ergebnissen auch für Escherichia coli und Campylobacter. „Resistenzen bei Krankheitserregern in Tieren und auf Lebensmitteln sind ein gravierendes Problem im gesundheitlichen Verbraucherschutz“, sagte BfR-Präsident Andreas Hensel.

Infektionen mit resistenten Erregern könnten beim Menschen den Verlauf von Erkrankungen verlängern und erschweren und in bestimmten Fällen lebensbedrohlich werden.

Der Bewertung zufolge zeigen Salmonella-Isolate von Tieren und aus Lebensmitteln für die meisten antibiotisch wirksamen Substanzen höhere Resistenzraten als solche aus der Umwelt und aus Futtermitteln. Resistenzen gegen Antibiotikaklassen, die in der Human- und Tiermedizin seit langem eingesetzt werden, waren häufig, zum Beispiel gegen Tetrazykline und Aminopenicilline.

Auch Resistenzen gegen Antibiotika, die von der WHO als besonders wichtig für die Humanmedizin eingestuft wurden, seien in Salmonellen unterschiedlicher Herkunft nachweisbar.

Salmonellen gehören zu den häufigsten Auslösern von Lebensmittelinfektionen beim Menschen. Die Salmonellose äußert sich meist in Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen. „Gesunde Menschen überstehen dies in der Regel innerhalb einiger Tage, doch bei Abwehr geschwächten Patienten, Älteren und Kindern kann die Infektion auch einen schweren Verlauf nehmen. Dann kann eine Behandlung mit Antibiotika notwendig werden“, hieß es aus dem BfR.

Um eine weitere Zunahme der Resistenzen zu verhindern, sollte der Antibiotika-Einsatz nach Auffassung des BfR in der Human- und in der Veterinärmedizin auf das unbedingt notwendige Maß begrenzt werden. © hil/aerzteblatt.de



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IDW - BfR, 13.12.2010
Antibiotikaresistenzen in der Lebensmittelkette
Dr. Suzan Fiack 
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

13.12.2010 13:30
BfR - Presseinformation
Bundesinstitut für Risikobewertung
Thielallee 88 - 92, D - 14195 Berlin, Telefon: 030-18412-4300, Telefax: 030-18412-4970 Presserechtlich verantwortlich: Dr. Suzan Fiack

18/2010, 13. Dezember 2010

Antibiotikaresistenzen in der Lebensmittelkette

BfR veröffentlicht zwei Berichte zur Resistenz-Situation bei verschiedenen Bakteriengruppen

Die Nationalen Referenzlabore für Salmonellen und für Antibiotikaresistenz am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben in den Jahren 2000 bis 2008 Salmonella-Isolate aus diagnostischen Einsendungen auf Antibiotikaresistenz getestet und nach epidemiologischen Kriterien bewertet. Die Isolate stammten vor allem von Tieren und aus Lebensmitteln, aber auch aus Futtermitteln und aus der Umwelt. Von den 33.625 Isolaten waren 48 Prozent resistent gegen mindestens eine und 35 Prozent sogar resistent gegen mehr als eine Antibiotikaklasse. Bei den Isolaten von Nutztieren und aus Lebensmitteln lagen die Resistenzraten dabei wesentlich höher. Eine zweite, nunmehr repräsentative, Untersuchung aus dem Jahr 2009 bestätigt die Ergebnisse für Salmonellen und kommt zu ähnlichen Ergebnissen auch für Escherichia coli und Campylobacter. „Resistenzen bei Krankheitserregern in Tieren und auf Lebensmitteln sind ein gravierendes Problem im gesundheitlichen Verbraucherschutz“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Infektionen mit resistenten Erregern können beim Menschen den Verlauf von Erkrankungen verlängern und erschweren. Sie können Krankenhausaufenthalte erforderlich machen und in bestimmten Fällen auch lebensbedrohlich werden.

Salmonellen gehören zu den häufigsten Auslösern von Lebensmittelinfektionen beim Menschen. Die sogenannte Salmonellose äußert sich meist in Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen. Gesunde Menschen überstehen dies in der Regel innerhalb einiger Tage, doch bei Abwehr geschwächten Patienten, Älteren und Kindern kann die Infektion auch einen schweren Verlauf nehmen. Dann kann eine Behandlung mit Antibiotika notwendig werden.

Das Ausmaß der Resistenzen gegen Antibiotika hat das BfR anhand der EU-weit gültigen epidemiologischen Kriterien bewertet. Diese erlauben, frühzeitig Abweichungen von einer unbelasteten Bakterienpopulation, der sogenannten Wildtyppopulation, zu erkennen und treffen keine Aussagen zur Therapierbarkeit einer Infektion. Laut der Bewertung zeigen Salmonella-Isolate von Tieren und aus Lebensmitteln für die meisten antibiotisch wirksamen Substanzen höhere Resistenzraten als solche aus der Umwelt und aus Futtermitteln. Resistenzen gegen Antibiotikaklassen, die in der Human- und Tiermedizin seit langem eingesetzt werden, zum Beispiel Tetrazykline und Aminopenicilline, waren häufig. Auch Resistenzen gegen Antibiotika, die von der WHO als besonders wichtig für die Humanmedizin eingestuft wurden, sind in Salmonellen unterschiedlicher Herkünfte nachweisbar. Problematisch sind nicht nur die resistenten Erreger selbst, sondern auch, dass sie die Resistenzen an andere Krankheitserreger weitergeben können. Dadurch wird der Resistenzpool erweitert und das Risiko für Mensch und Tier vergrößert, wobei ein lückenloser Nachweis der Übertragung dieser Resistenzen auf den Menschen bislang nur in Einzelfällen erfolgen konnte.

In einigen Fällen waren Resistenzen von Salmonellen gegen die besonders wichtigen Antibiotikagruppen sogar sehr häufig. So waren die Serovare Salmonella Paratyphi B dT+ vom Huhn und aus Hühnerfleisch sowie Salmonella Saintpaul aus der Pute und aus Putenfleisch gegenüber der Gruppe der Chinolone und Fluorochinolone zu 60 bis 85 Prozent resistent. Diese Salmonella-Serovare kommen in diesen Lebensmitteln vermehrt vor, verursachen allerdings bisher nur wenige Infektionen beim Menschen. Resistenzen gegen Cephalosporine der dritten Generation waren mit 1,1 Prozent im Vergleich zu den übrigen Substanzen selten, bei einzelnen Salmonella-Serovaren gab es aber deutlich höhere Raten.

Das repräsentative Resistenzmonitoring verschiedener Erreger im Jahre 2009 bestätigt die für die Jahre 2000 bis 2008 beschriebenen Resistenzraten bei Salmonellen und zeigt, dass sie auch bei anderen Bakterien von Tieren und aus Lebensmitteln nachzuweisen sind. Resistenzen gegen Fluorochinolone wurden dabei insbesondere bei Salmonellen und Escherichia coli vom Hähnchen, aber auch bei Campylobacter vom Hähnchen und vom Mastkalb bei bis zu zwei Drittel der Isolate nachgewiesen. Resistenzen gegenüber Cephalosporinen der dritten Generation wurden in über fünf Prozent der Escherichia coli-Isolate von Masthähnchen nachgewiesen, aber auch vereinzelt bei Isolaten vom Mastkalb beobachtet.

In beiden Studien wird die Resistenzsituation auf den verschiedenen Stufen der Lebensmittelkette analysiert. Die vergleichbaren Resistenzmuster von Isolaten von Tieren und aus dem Fleisch der Tiere unterstreichen die Wahrscheinlichkeit, dass die Erreger bei der Fleischgewinnung auf das Fleisch gelangen können. Mit dem Fleisch können die resistenten Keime wiederum zu den Verbrauchern gelangen. Diese können einer Infektion mit den üblichen Küchenhygienemaßnahmen vorbeugen.

Um eine weitere Zunahme der Resistenzen zu verhindern, sollte der Antibiotika-Einsatz nach Auffassung des BfR sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin auf das unbedingt notwendige Maß begrenzt werden. Die Überwachung der Resistenzentwicklung bei Krankheitserregern und bei Bakterien der Darmflora ist Voraussetzung für die Risikobewertung von Antibiotikaresistenzen. Diese Überwachung aber auch Maßnahmen zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes bei Tieren und in der Lebensmittelkette sind Bestandteil der „Deutschen Antibiotikaresistenzstrategie“ (DART) der Bundesregierung.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

ende bfr-p
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/cm/238/deutsche_antibiotika_resistenzsituation_in_der_leb... Deutsche Antibiotika-Resistenzsituation in der Lebensmittelkette - DARLink (BfR-Wissenschaft 12/2010 vom 09.12.2010)
http://www.bfr.bund.de/cm/208/wissenschaftliche_bewertung_der_ergebnisse_des_res... Wissenschaftliche Bewertung der Ergebnisse des Resistenzmonitorings nach dem Zoonosen-Stichprobenplan 2009

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TAZ, 12.12.2010

Massentierhaltung

Schlachten als Erlösung

Der Präsident des niedersächsischen Landvolks nörgelt über neue Tierschutzbestimmungen, während eine Studie offenbart, wie Hühner und Puten in den niedersächsischen Mastbetrieben wirklich leiden.

Als "überzogen" hat der Präsident des niedersächsischen Landvolks, Werner Hilse, Pläne des Agrarministeriums bezeichnet, bei der Geflügelmast künftig stärker auf Tierschutz zu achten. "Wir fühlen uns ans Bein getreten", sagte Hilse laut dpa zu den Ankündigungen der Landesregierung, über ein Verbot des Schnäbelstutzens und qualitative Verbesserungen bei der Einstreu nachzudenken. "Es wird der Eindruck erweckt, in den Geflügelbetrieben sei alles ganz schlimm", so Hilse.

Damit hat er nicht Unrecht. Allerdings entspricht dieser Eindruck der Realität - oder genauer: den Forschungs-Ergebnissen des Instituts für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Und die zögerlichen - inzwischen dementierten - Tierschutzvorstöße des niedersächsischen Agrarministeriums sind allenfalls verspätete Reaktionen auf deren Studien: So hatten Institutsdirektor Jörg Hartung - ausgewiesener Befürworter der Massenmast - und seine Assistentin im Auftrag des Ressorts Untersuchungen zur Besatzdichte bei Hähnchen durchgeführt. Bereits im März 2009 - da waren rund 80 Prozent der Tests abgeschlossen - informierten sie ihren Auftraggeber über erste Ergebnisse, seit Juli liegt im Ministerium ihr Endbericht vor. 

Da ruht er sanft: Weder er noch der Bericht über erste Ergebnisse scheinen für die Öffentlichkeit bestimmt. Das könnte am Ergebnis liegen. Zusammengefasst nämlich besagen sie, dass bereits die geltenden, niedrigschwelligen Tierschutznormen durch industrielle Mast nicht verwirklicht werden können: Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die 1999 als eine Art Selbstverpflichtung der Geflügelfabrikanten formulierten "bundeseinheitlichen Eckwerte" und die stark von Lobbyismus geprägte EU Richtlinie von 2007, eine "Mindestvorschrift".

Gegen die verstoßen Hühnermasten "unter praxisüblichen Bedingungen" in dramatischer Weise, wie schon die anderthalb Jahre alte, nach sieben von neun beobachteten Mastdurchgängen erstellte Vorabfassung zeigt, die der taz vorliegt. So hält die Studie fest, dass bereits die Mast oft tödlich verläuft - in der Hälfte der untersuchten Fälle für deutlich mehr Hähnchen, als die einschlägige EU-Richtlinie 2007/43/EG erlaubt. Diejenigen, die bis zur Schlachtreife überleben, leiden so lange unter schmerzhaften Fußballenentzündungen - der hannoverschen Studie zufolge in den Wintermonaten sogar ausnahmslos: "In der feucht-kalten Jahreszeit", heißt es in der Studie, ist eine Pododermatitis bei bis zu 100 Prozent der Sohlenballen zu beobachten". Allerdings sind nur 60 Prozent der Pododermatiden dann auch hochgradig.

Das liegt den Veterinären zufolge vor allem am Bodenbelag: Die ohnehin "ab Mitte der Mast" in Tränkenähe "pappig-matschige" in den übrigen Bereichen durch die Ausscheidungen zu "verkrusteten festen Platten" verdichtete Einstreu weist im Winter nämlich eine noch schlechtere Qualität auf. "Die Kotanteile überwiegen", heißt es in dem Gutachten über den letzten Masttag. Das Schlachten scheint demgegenüber eine fast wünschenswerte Erlösung.

"Das sind in der Tat drastische Missstände", sagt Christian Meyer, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion über die Ergebnisse der Studie, "und es ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Praxis deutlich schlechter aussieht als im niedersächsischen Forschungsgut." Gerade in der Diskussion um die Gesetzgebung - Ende der Woche findet im Agrarausschuss eine Anhörung zur Putenmast statt - dürfe das Grotelüschen-Ministerium "jetzt nichts mehr verschleiern": Auch zur Putenhaltung liegen Studien vor, die neben bis zu 100 Prozent Fußballenerkrankungen noch 27,2 Prozent schmerzhafte Brustblasenentzündungen erfasst haben.

Politisch brisant sind diese Forschungs-Ergebnisse auch, weil die niedersächsische Landesregierung ans Grundgesetz gebunden ist: In Artikel 20a nennt das "den Schutz der Tiere" als ein Staatsziel. Dennoch hat die Regierung die Ansiedlungs-Offensive, mit der Mast- und Schlachtindustrie seit 2009 nach Ostniedersachsen drängen, trotz Kenntnis einer grundgesetzwidrigen Realität nicht gebremst, sondern ideell und finanziell unterstützt. Auch jetzt scheint das Agrarland Nummer eins nicht gewillt, am Staatsziel mitzuwirken: Gerade hat Grotelüschens Staatssekretär Otto Ripke die Behauptung zurückgewiesen, er trete für Verschärfungen von Tierschutzbestimmungen ein. 

Eine entsprechende Unterstellung in der HAZ habe ihn "persönlich sehr betroffen gemacht", vertraute er der jüngsten Ausgabe des Fachblatts "Land und Fors"t an, und erteilte "Spekulationen" um eine "Kehrtwende beim Tierschutz" eine deutliche Absage. "Einen Frontalangriff gegen die Tierhaltung", so Ripke könne es in seiner Amtszeit "aus Niedersachsen nicht geben".

VON BENNO SCHIRRMEISTER




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NDR, 13.12.2010
Schlechte Noten für Geflügelmastbetriebe
Eine Untersuchung im Auftrag des niedersächsischen Agrarministeriums zeigt Missstände in der Geflügelmast auf. Der Bericht der Tierärztlichen Hochschule Hannover zu Masthühnern nennt erhebliche Mängel: Fußballen-Entzündungen, eine hohe Sterblichkeit und schlechte Einstreu-Qualität.

Kritik an CDU-Agrarministerin Grotelüschen

Die Studie heizt die Debatte um den Tierschutz erneut an. Tierschützer melden sich zu Wort und fordern neue Regelungen für eine bessere Hühnerhaltung. Seit langem steht Niedersachsens Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) bei Tierschützern und der Opposition in der Kritik. Sie werfen ihr vor, sie verharmlose Mängel in der industriellen Geflügelhaltung. Das Agrarministerium hatte die Studie bislang nicht veröffentlicht, am Montag aber auf Anfrage verbreitet. Ein Ministeriumssprecher sagte, die Bewertung der Studie, die dem Ministerium Ende September vorlag, dauere noch an.

Grünen fordern Offenlegung der Masthühner-Studie

Der agrarpolitische Sprecher der niedersächsischen Landtagsgrünen, Christian Meyer, hat die Offenlegung der Studie über mangelnden Tierschutz bei Masthühnern gefordert. Es sei "politisch unverantwortlich", dass Agrarministerin Grotelüschen im Parlament den Tierschutz positiv bewerte, obwohl die von ihr in Auftrag gegebene wissenschaftliche Untersuchung das krasse Gegenteil besage, sagte der Grünen-Politiker am Montag in Hannover. Die Landesregierung müsse endlich eine "Tierschutzoffensive" starten. Meyer bezeichnete Grotelüschen als "Schutzpatronin der Geflügellobby".

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Osnabrücker Zeitung , 10.12.2010
Landrat Bröring zur Intensivtierhaltung – Baugesetzbuch-Änderung notwendig – Verständnis für Vorwurf
„Privilegierung nicht für Agrarindustrie“

Meppen. Ohne eine Änderung des Baugesetzbuches durch den Bund wird sich das Problem der weiteren Ausweitung der Massentierhaltung auch im Emsland nicht lösen können. Dieser Überzeugung ist Landrat Herman Bröring.

Die Intensivtierhaltung hat im Emsland eine Dimension erreicht, die weite Teile der Bevölkerung nicht mehr tolerieren. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Noch sind die Interessen der Einwohner, des Tourismus und der übrigen gewerblichen Wirtschaft im Gleichgewicht. Dies muss auch erhalten bleiben. Es darf nicht sein, dass die Entwicklungsmöglichkeiten des Kreises durch die Intensivtierhaltung außer Kraft gesetzt werden. Ich sage aber ausdrücklich auch: Wir sind stolz, Teil des ländlichen Raums mit einer durch die Landwirtschaft geschaffenen Kulturlandschaft zu sein, die unabweislich ihren touristischen Reiz hat.

 

Wann ist die Grenze für Massentierhaltung in Ställen im Emsland aus Ihrer Sicht erreicht?

Mit einer konkreten Zahl, die dann als verbindliche Obergrenze dienen soll, kann ich Ihre Frage nicht beantworten. Derzeit haben wir im Landkreis Emsland rund 32,7 Millionen genehmigte Geflügeltierplätze und etwa weitere 10,9 Millionen wurden beantragt. Wie ich aber bereits sagte, ist das Gleichgewicht zwischen Wohnen, Tourismus und Landwirtschaft derzeit noch gewahrt. Dies muss auch so bleiben.

 

Tier- und Umweltschutzverbände prangern eine bis dato offenbar zu unkritische Genehmigungspraxis an. Der Kreis habe sich viel zu spät der Massentierhaltung entgegengestellt. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Ich habe Verständnis für diesen Vorwurf, er lässt aber die rechtlichen Möglichkeiten der Landkreise zur Steuerung von Tierhaltungsanlagen völlig außer Betracht. Die gültige Gesetzgebung räumt zunächst

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BILD

Freitag, 10. Dezember 2010

Tierschutz-Offensive verärgert Bauernverband
Hannover (dpa/lni) - Pläne des Agrarministeriums für neue Leitlinien in der Geflügelmast haben beim niedersächsischen Bauernverband für Unmut gesorgt. «Wir fühlen uns ans Bein getreten», sagte der Präsident des Landesvolks, Werner Hilse, der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. «Das hat uns überrascht in dieser harten Formen.» Der Verband sei immer offen für Gespräche, «aber man kann nicht so tun, als gebe es bisher keine Bestimmungen», sagte Hilse. Das Landwirtschaftsministerium hatte im November neue Bestimmungen für die Geflügelmast angekündigt und auch Mängel in der Massentierhaltung aufgelistet.


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Osnabrücker Zeitung,  10,12,2010
Keime und Feinstäube
 „Massentierhaltung gefährdet Menschen“

Lingen. Die Massentierhaltung bedeutet große gesundheitliche Gefahren für die Menschen, weil sie gefährliche Keime und Feinstäube freisetzt. Dies erklärte Dr. med. Hans Peter Ammann aus Billerbeck in einer Veranstaltung der Grünen im Ratssitzungssaal in Lingen vor rund 30 Zuhörern.
 

Er stützte seine Auffassung auf Untersuchungen des Institutes für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztier-ethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und auf einen Vortrag, den Professor Dr. Wolfgang Witte und Dr. Christiane Cuny im Robert-Koch-Institut in der Außenstelle Wernigerode gehalten hatten. Besonders aggressiv ist nach den Worten von Dr. Ammann der Keim „Staphylococcus aureus“. Bei Menschen, deren Immunabwehr geschwächt sei, könne er tödliche Krankheiten verursachen. Als Beispiel nannte der Mediziner die Zerstörung von gesunden Herzklappen.

Vor dem Hintergrund dieser beschriebenen Gefahren fanden es die Teilnehmer umso unverständlicher, dass der Einbau von Filtern in Ställen der Massentierhaltung im Emsland „reine Augenwischerei“ sei. In der großen Mehrzahl der Fälle funktionierten diese Filter nicht, hieß es in der Versammlung.

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff aus Nordrhein-Westfalen, lehnte die Massentierhaltung entschieden ab. Er begrüßte ausdrücklich die Initiative des emsländischen Landrats Hermann Bröring, durch die Anwendung von Brandschutzvorschriften und einer VDI-Richtlinie zum möglichen Gesundheitsrisiko durch Keime die Hürden für eine Genehmigung weiterer Ställe sehr hoch zu legen.

Fleischkonsum sinkt.

Nach Auffassung von Ostendorff muss der Paragraf 35 des Baugesetzbuches dringend geändert werden, um der gewerblichen Tierhaltung im Außenbereich einen Riegel vorzuschieben. Ostendorffs Frau bewirtschaftet in der Nähe des Kamener Kreuzes einen Bauernhof nach ökologischen Gesichtspunkten. Nach Angaben des agrarpolitischen Sprechers der Grünen ist der Markt für Fleisch in Deutschland inzwischen gesättigt. Der Konsum sei sogar leicht zurückgegangen.

Ebenso wie Ostendorff verwies auch die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Dorothea Steiner (Osnabrück), darauf, dass die starke Zunahme der Hähnchenmast in Niedersachsen mit dem Emsland als eine Hochburg verheerende Auswirkungen für die Menschen in Afrika habe. Die Ausweitung der Hähnchenmast in bisher ackerbaulich geprägten Regionen Niedersachsens diene vor allem dem Export auf den Weltmarkt, da der heimische Markt bereits weitgehend gesättigt sei. Die Politikerin: „In Europa wird überwiegend nur das Hähnchenbrustfleisch verzehrt. Die Hähnchenreste wie Flügel, Schenkel und Hälse werden in einer Menge von 140 Millionen Kilogramm jährlich nach Afrika exportiert und tragen zur Zerstörung der dortigen Märkte bei.“

Die Europäische Union habe diese Entwicklung bisher mit jährlich je 100 Millionen Euro für Geflügel und Schweinefleisch gefördert, kritisierte Steiner. Aber auch das Land Niedersachsen fördere diese fatale Entwicklung. Allein 2008 seien mit 51 Millionen Euro Stallbauten in diesem Bundesland gefördert worden.

Nach Angaben von Heiner Rehnen, Kreistagsabgeordneter der Grünen, gibt es derzeit im Emsland über 32 Millionen Geflügeltierplätze. Es lägen Anträge für weitere rund elf Millionen vor. Hinzu kämen 1,5 Millionen Schweinemastplätze. Weitere 64000 Plätze seien beantragt (siehe auch die Seite 10).

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Hannoversche Allgemeine, 09.12.2010
Grotelüschen - Das Grundproblem

Im Flüsterton hat rund um Niedersachsens Landwirtschaftsministerin eine Debatte begonnen, die man, soweit sie ins Persönliche zielt, fast fies finden kann: Da rätseln CDU-Granden, wann und wie Astrid Grotelüschen vielleicht mal einen „Befreiungsschlag“ hinbekommen könnte. Oder sie seufzen, die Ministerin sei leider für Kritik nicht zugänglich.
Das Grundproblem ist ein anderes: Grotelüschen hätte niemals Ministerin werden dürfen, und zwar schon aus strukturellen Gründen, ganz unabhängig von allen persönlichen Eigenschaften. Ihr Ehemann ist in der Massentierhaltung tätig – und damit ergibt sich objektiv eine verfängliche Konstellation, die immer wieder einen Verdacht erregen kann. Die Gretchenfrage für die Grotelüschens ist schnell formuliert: Wie halten sie es mit dem Tierschutz?
Wer als Minister in seinem Fachgebiet ausgerechnet solche Regeln entwerfen oder anwenden muss, die unterm Strich den Gewinn des Ehepartners schmälern können, gerät naturgemäß in Schwierigkeiten. Wie, beispielsweise, stünde ein Umweltminister da, dessen Frau eine Chemiefabrik ihr Eigen nennt? Würde nicht jede Warnung eines solchen Umweltministers vor „zu viel Bürokratie“ oder vor „Überregulierung“ im Publikum mit Hohngelächter quittiert? Hier geht es um ein Dilemma, das sich auch bei größter Anstrengung nicht überwinden lässt.
Dem Agrar- und Biotechnikstandort Niedersachsen stünde im Landwirtschaftsressort ein Neustart gut zu Gesicht. Ideal wäre eine Persönlichkeit, die die Position zu verkörpern vermag, dass gesunde Ernährung, Tierschutz und Biotechnik keine Gegensätze sein müssen. Gesucht wird jemand, der nach vorn blickt – und den Kopf frei hat.
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Peiner Allgemeine Zeitung, 09.12.2010

„Symbolfigur der Massentierhaltung“
Astrid Grotelüschen bekommt Gegenwind aus eigenen Reihen
Es gärt rings um Astrid Grotelüschen: Niedersachsens Ministerin für Landwirtschaft bekommt als „Symbolfigur der Massentierhaltung“ kräftigen Gegenwind zu spüren – auch aus den eigenen Reihen. Grotelüschen ist die große Schwachstelle der Landesregierung geworden.
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Unabhängige Bauernstimme Dezember 2010:


Bauverbot für Agrarfabriken!
Die Abschaffung des Bauprivilegs nach § 35 Baugesetzbuch steht auf der Tagesordnung

Wo Agrarfabriken gebaut werden sollen, da gibt es Widerstand von Anwohnern und auch Bauern. Die Gründe: Qualhaltung Tausender und Zigtausender Tiere, Belastung von Umwelt und Menschen durch Emissionen, Keime und Feinstaub, Verdrängung bäuerlicher und mittelständischer Betriebe. Viele Gemeinden wehren sich gegen die Belastung ihres Außenbereichs.


Je zäher der Kampf gegen einzelne Anlagen und investorenfreundliche Genehmigungsverfahren, desto stärker wird die Forderung nach einem grundsätzlichen Bauverbot für Agrarfabriken. In kommunalen Spitzenverbänden, in Gremien des Bundesbauministeriums und - seit einer Initiative der rotgrünen NRW-Regierung - auch im Bundesrat wird jetzt über die Streichung des Baurechts für Großanlagen diskutiert.


Stallbau-Privileg nur für echte Landwirtschaft


Grundsätzlich ist der Außenbereich einer Gemeinde frei zu halten von jeglicher Bebauung – so der eherne Grundsatz der Bau- und Städteplanung. Wenn jemand im Außenbereich bauen darf, dann braucht diese „Privilegierung“ gute Gründe. Die Landwirtschaft hat laut § 35.1.1 des Baugesetzbuchs zu Recht dieses Privileg. „Landwirtschaft“ ist im Sinne des Baurechts (§ 201 BauGB) „insbesondere der Ackerbau, die Wiesen- und Weidewirtschaft einschließlich Tierhaltung, soweit das Futter überwiegend auf den zum landwirtschaftlichen Betrieb gehörenden landwirtschaftlich genutzten Flächen erzeugt werden kann...“. Der Bezug der Stallbauten zum hofeigenen Futter und den nahen Futterflächen (stallnahe Weide) ist also die Begründung. Die Beschränkung auf mindestens 50% Hof-Futter ist dabei vernünftig, weil nicht alle Futtermittel auf allen Flächen oder allen Betrieben angebaut werden können.


Aber auch diesen Grundsatz hat man aufgeweicht: Musste man die Hälfte des Futters früher wirklich noch anbauen, so wurde dies zurechtgestutzt auf die abstrakte Möglichkeit, dieses Futter zumindest theoretisch anbauen zu können. Selbst die verlangte räumliche Nähe der Eigentums- und Landfrist-Pachtflächen wird häufig übergangen.


Im früheren Raumordnungsgesetz (ROG) war die Privilegierung ausdrücklich für die „bäuerlich strukturierte“ Landwirtschaft vorgesehen – so der Agrarrechtler Volkmar Nies („Ldw. Bauen im Außenbereich“, Münster 2000): Dabei sei der bäuerliche Betrieb weniger durch seine Größe, sondern insbesondere durch seine Arbeitsverfassung gekennzeichnet. Und diese sei, so Nies, definiert durch die Arbeit von Familienangehörigen, die einen Betrieb im persönlichen Interesse unter eigenverantwortlichem Handeln im Generationenwechsel führen.

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Diese „landwirtschaftliche Privilegierung“ gilt nicht für die Stallbauten jener Betriebe, die wegen zu geringer Futterflächen als nicht bodengebunden bzw. als nicht landwirtschaftlich (also „gewerblich“) gelten. Dies war früher nur ein Problem kleinerer Betriebe, die - mangels Zupachtmöglichkeiten - mehr auf tierische „Veredlung“ statt auf Flächenexpansion setzten – da konnte man bei den gering dimensionierten Bauvorhaben noch großzügig sein. Heute jedoch wird das Bauen im Außenbereich vor allem von außerlandwirtschaftlichen und gewerblichen Investoren mit riesigen Stallanlagen genutzt. Sie berufen sich dabei auf den § 35.1.4. des Baugesetzbuchs, der angeblich für diese nichtlandwirtschaftlichen Ställe gedacht sei.



Gewerbliche Agrarfabriken ins Gewerbegebiet

Genau dies ist aber nicht der Fall: Der § 35.1.4 regelt Vorhaben, die wegen ihrer „besonderen Anforderungen an die Umgebung“, ihrer „nachteiligen Wirkung auf die Umgebung“ oder wegen ihrer „besonderen Zwecksetzung“ nur im Außenbereich ausgeführt werden sollen. Dass darunter auch gewerbliche Stallanlagen fallen sollen, gründet sich lediglich auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahre 1983, das den Bau eines (damals noch relativ seltenen) Geflügelmaststalls erlaubte. Dieser damalige Einzelfall ist mit der Flut der jetzigen Bauanträge für große Agrarfabriken nicht mehr vergleichbar. Der Baurechtsexperte Professor Dr. Wilhelm Söfker weist in einem Gutachten für den Landkreis Emsland darauf hin, dass solche flächen-ungebundenen Mastanlagen genau wie andere Industrieanlagen in Gewerbegebiete gehörten. Die Emissionen durch die hohen und hochkonzentrierten Tierzahlen könnten – wie bei anderen Industriebetrieben in den Gewerbegebieten auch – durch Filter begrenzt werden. Es müsse auch nicht in jeder Gemeinde ein Gewerbegebiet oder eine Sonderzone für Agrarfabriken geben, zumal solche Sonderzonen auswärtige Investoren magisch anziehen würden.

Auch der Hinweis auf die „Ähnlichkeit“ der Agrarfabriken mit landwirtschaftlichen Ställen, so Prof. Söfker, ziehe nicht, weil es im Baurecht nicht auf die Stalltechnik ankomme, sondern auf den Bezug zur Fläche als Voraussetzung für eine Privilegierung. In den verschiedenen Absätzen des § 35 sei die gewerbliche Tierhaltung nirgends als Privilegierungs-Tatbestand genannt - der § 35.1.4 sei eben nicht für deren Genehmigung gedacht, sondern als Auffang-Paragraph für absolute Einzelfälle. Bei der jetzigen Genehmigungspraxis für unzählige solcher Vorhaben aber könne jeder Eigentümer eines Stall-Grundstücks irgendwo im Außenbereich das Steuerungs- und Gestaltungsrecht der Kommunen aushebeln.


Zwar könnten die Gemeinden solche Vorhaben durch (aufwendige, teure, flächendeckende) Flächennutzungspläne oder Bebauungspläne verhindern - aber das Planungsrecht der Gemeinden sei kein bloßes reaktives Abwehrrecht gegen eine ungeordnete Vielzahl von Einzel-Anträge, sondern ein positives Gestaltungsrecht des Außenbereichs. Viele der vom Bundesbauminister eingesetzten Experten zur Neufassung des Bundesbaugesetzes konstatieren im Bericht zur „Intensivtierhaltung“ und zur „Entprivilegierung“ von Massentierhaltungsanlagen denn auch, viele Gemeinden seien „an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeiten“ – Massentierhaltungs-Anlagen seien allein schon wegen ihrer Dimensionen zu „entprivilegieren“. Daas müsse das Bundesverwaltungs-Gericht jetzt klären. Man müsse ohnehin „unterschiedlichen Strukturen von Intensivtierhaltungen Rechnung tragen“. Auch dies ein Hinweis auf die Unterschiede von landwirtschaftlichen und gewerblichen Ställe und vielleicht auch auf eine zusätzliche Unterscheidung zwischen kleineren und riesigen gewerblichen Ställen (wie bei der Einstufung für die Gewerbesteuer).


Obergrenzen des Bundes-Immissionsschutz-Gesetzes

Auch innerhalb der „landwirtschaftlichen Privilegierung“ wäre unbedingt zu differenzieren. Oberhalb bestimmter Tierzahlen kann eine Haltung nicht mehr bäuerlich, artgerecht und umweltverträglich sein. Das Bundes-Immissionsschutz-Gesetz (BImSchG), das die Umweltgefährdung durch Industriebetriebe (einschließlich Agrarfabriken) regelt, gibt mit seinen Tierzahlen die Vorgabe für ein größenabhängiges Bauverbot: nämlich 15.000 Legehennen-, 30.000 Mastgeflügel-, 1.500 Mastschweine- oder 650 Sauenplätze. Diese absolute Stallbau-Obergrenze muss – zum Schutz von bäuerlichen und mittelständischen Strukturen und von Tier- und Umweltschutz - auch für flächenstarke Betriebe bzw. für die hinter ihnen stehenden Investoren gelten, die sonst genügend theoretische Futterfläche für den Bau von riesigen Ställen vorschieben könnten.


Kommunen, Verbände, Politiker, Bürgerinitiativen und Bauern sollten die begonnene Debatte um ein Bauverbot für Agrarfabriken rasch forcieren und mit der Forderung um eine europaweite Umstellung auf artgerechte Haltungsformen verbinden - für eine Tierhaltung in bäuerlichen, art- und umweltgerechten Stall-Dimensionen in lebendigen ländlichen Gemeinden.

Eckehard Niemann                                                                                                                                                                                Seitenanfang




Ökomythen - Die schlimmsten grünen Irrtümer   

Ist Biosprit gut und Massentierhaltung schlecht? Eine genaue Bilanz entlarvt manch gut gemeinte Tat als Irrtum.

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Region Hannover setzt neuen Standard für Brandschutz bei Mastställen

(PresseBox) Hannover, 01.12.2010, Die Region Hannover wird in Genehmigungsverfahren für größere Tiermastställe künftig noch präzisere Anforderungen an den Brandschutz stellen. Dies teilten Regionspräsident Hauke Jagau und Umweltdezernent Prof. Dr. Axel Priebs heute mit. Über die bereits bisher bei der Region Hannover üblichen Auflagen und Empfehlungen hinaus soll damit besonders den Anforderungen des Tierschutzes noch deutlicher Rechnung getragen werden.

"Bezogen auf den Brandschutz besteht ein echtes Spannungsverhältnis zwischen Intensivtierhaltung und Tierschutzanforderungen. Hier ist ein differenzierter Abwägungsprozess notwendig. Die Region Hannover wird sich dieser Herausforderung stellen" so Regionspräsident Hauke Jagau. "Die rechtlichen Mindestanforderungen, die für landwirtschaftliche Betriebsgebäude allgemein gelten, sind in diesem Punkt tatsächlich nicht eindeutig. Deswegen werden wir transparente und angemessene Standards schaffen" so Umweltdezernent Prof. Dr. Axel Priebs.

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Ungesteuerte Expansion von Mastanlagen in Außenbereichen der Kommunen eindämmen
 
Petitionsausschuss - 01.12.2010, Bundestag

Berlin: (hib/HAU/KT) Die massive und ungesteuerte Expansion von Mastanlagen in den Außenbereichen der Kommunen soll nach Ansicht des Petitionsausschusses eingedämmt werden. Vor diesen Hintergrund halten die Abgeordneten die Ausweitung von Massentierhaltungsanlagen auf Grundlage der durch das Baugesetzbuch ermöglichten privilegierten Zulassung gewerblicher Tierhaltungsanlagen für ”bedenklich“.


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Bürgerinitiative moniert Antibiotikaeinsatz  bei der Mast

Von Thomas Saalfeld

BURGDORF. Von Mortalitätsrate (Sterbequote) bis abstrakter Nutzflächenbildung. Wenn Ingolf Spickschen vom Arbeitskreis gegen Massentierhaltung über die geplante Hähnchenmastanlage in der Burgdorfer Feldmark spricht, dann hagelt es Fachbegriffe.

Zwölf engbeschriebene Seiten umfasst Spickschens detaillierte Einwendung gegen die Anlage, in der zwei Landwirte aus Berel und Burgdorf alljährlich rund 600 000 Hähnchen bis zur Schlachtreife mästen wollen. Der frühere Rechtsanwalt: "Selbst wenn die Landwirte das nötige Futter selber erzeugen wollten, wie es die Voraussetzung für ein privilegiertes Bauvorhaben wäre, so dürften sie es nicht, weil diese Rasse nur standardisiertes Futter verträgt. Das muss wie die Tagesküken für die Zucht, beim der Großschlachter Rothkötter gekauft werden."

Rothkötter baut in Wietze im Landkreis Celle eine Großschlachterei, in der pro Stunde 27000 Hähnchen geschlachtet und zerlegt werden sollen. Peter Butz, Sprecher der Burgdorfer Bürgerinitiative: "Das Land schafft Fakten und unterstützt die Schlachtereien, deren Marktführer Wiesenhof, Rothkötter und Stolle alle in Niedersachsen ihre Zentralen haben."


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Grüne scheitern mit Verbot von Großställen                            Gesetzentwurf der Grünen *.pdf

CDU/CSU und FDP haben am Mittwoch im Bau- und Landwirtschaftsausschuss des Bundestages gegen eine Verschärfung des Baugesetzbuches (BauGB) gestimmt. SPD und Linke enthielten sich. Damit ist der Vorstoß der Grünen zum Verbot von großen Mastställen – die Grünen sprechen von Massentierhaltung - im Außenbereich gescheitert.

Dementsprechend wertete Grünen-Sprecher Friedrich Ostendorff die Abstimmung als „Schlag ins Gesicht der Bürger, sie sich in Initiativen unter dem Motto Bauernhöfe statt Agrarfabriken gegen die Expansion solcher Tierhaltungsanlagen im ländlichen Raum engagieren.“ Die Fraktion plant nun, Anfang 2011 eine namentliche Abstimmung zu beantragen, um zu sehen, welcher Abgeordnete sich in Verantwortung für seine Region wie entscheidet.

SPD sieht Handlungsbedarf, FDP nicht

Trotz Enthaltung sieht aber auch die SPD-Fraktion Handlungsbedarf beim Thema Tiermastanlagen im Außenbereich. Die Sprecher Wilhelm Priesmeier und Heinz Paula forderten die Regierung auf, schnell einen Entwurf vorzulegen, um das Baugesetzbuch zu ändern. Nur so könne der „bedenklichen Entwicklung in einigen Teilen Deutschlands Einhalt geboten werden“. Aus Sicht der Sozialdemokraten soll die Koalition außerdem noch das Bundesimmissionsschutzgesetz, die Umweltverträglichkeitsprüfung, die Düngeverordnung sowie den Brand- und Bodenschutz unter die Lupe nehmen. „Wir erwarten, dass den Ausführungen von Niedersachsens Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke Taten folgen: Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung muss im Sinne des Tierschutzes dringend überarbeitet werden“, so die beiden Politiker. 

Erfreut zeigten sie sich aber, dass auch CDU/CSU und FDP diese Haltung am Mittwoch in ihrer Ausschusssitzung bestätigt und dem SPD-Vorschlag einer gemeinsamen Initiative zugestimmt hätten. Dem Widerspricht die Agrarsprecherin der FDP-Fraktion, Christel Happach-Kasan, jedoch deutlich. Gegenüber top agrar-Online erklärte sie, es sei lediglich geplant, im kommenden Jahr über Änderungen an den Punkten "Klimaschutz in Städten", "Lückenbebauung" und ähnlichem zu sprechen. Der Paragraph 35 habe sich dagegen bewährt und sollte nicht angerührt werden. Aus FDP-Sicht bestehe keine Änderungsveranlassung, man sei jedoch bereit, Anregungen aufzunehmen, wie etwa bei den Baugenehmigungen für Biogasanlagen, so die FDP-Sprecherin

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Profitiert Grotelüschen von Billiglöhnen?               

Nach Informationen des NDR Magazins "Menschen und Schlagzeilen" ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen einen Schlachtbetrieb, an dem die Familie der niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (CDU) unternehmerisch beteiligt ist. "Es geht um den Verdacht der Beihilfe zur illegalen Beschäftigung und zur illegalen Arbeitnehmer-Überlassung  in einem Schlachtbetrieb in Wildeshausen", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Frauke Wilken. NDR Recherchen ergaben, dass es sich bei dem Betrieb um die Geestland Putenspezialitäten GmbH und Co. KG in Wildeshausen handelt.

Bereits im August 2010 durchsuchten die Ermittlungsbehörden den Schlachthof. Der Familienbetrieb von Ministerin Grotelüschen ist an dem Schlachthof als Gesellschafter und Kommanditist beteiligt. Die Kommanditisten-Einlage beträgt rund zwei Millionen Euro.

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